Karte Etappe 7

7.Tag - Biskupiec-Ketrzyn + Rundfahrt Masuren

Donnerstag, 09.06.2005
Wetter: kühl, leicht bewölkt, weniger Wind
148 km
Summe 1104,5 km

Das Frühstück war reichlich, unser Hunger auch. Wir haben also den Brotkorb nochmal nachfüllen lassen und sind dann gegen 8:00 Uhr in die Pedale gestiegen. Das Wetter hatte sich ein wenig gebessert, der Wind war etwas weniger heftig und es war trocken.

Wir fuhren auf der 590 aus Biskupec raus, dann rechts ab über Stanclewo nach Zyndaki. Dort war ein schöner See und eine prächtige, alte Holzkirche.

Weichselbrücke in Torun

Weiter ging es über Warpuny nach Burszewo. Laut Karte sollte es dort rechts ab nach Pilec gehen. Wir fanden auch einen Abzweig, beschildert nach Widriny. Was in dem Autoatlas als weiße Straße eingezeichnet war, entpuppte sich als Sandweg mit teilweise Kopfsteinpflaster-Unterbau. Wir haben uns dann auch noch verfahren, da der Autoatlas für Feldwege wirklich nicht geeignet und viel zu grob ist. Kurz vor Swieta Lipka fanden wir  dann auf die Straße zurück.

Swieta Lipka

In Swieta Lipka (deutsch: Heiligenlinde) gibt es eine große Basilika, die auch von vielen deutschen Touristen bzw. Pilgern besucht wird. Dass hier viele Deutsche vorbeikommen war auch schon daran zu erkennen, dass, ählich wie auf den Vietnamesenmärkten in tschechischer Grenznähe, zahlreiche Buden mit Kitsch und Spittel standen.

Allee

In Bezlawki wollten wir eigentlich links Richtung Wanguty weiterfahren, haben aber scheinbar einen falschen Abzweig erwischt. Die Straße führte noch ca. 4 km geradeaus und endete dann an einem Dörfchen, welches wohl nur aus zwei oder drei Häusern bestand. Ab dort mussten wir auf dem sandigen Feldweg weiterfahren und kamen nach einiger Schinderei bei Pieckowo auf die Straße 594, die aber Richtung Ketrzyn mit Sackgassen- und Sperrschildern verziert war. Wir sind dann trotzdem in diese Richtung gefahren, in der Hoffnung, mit dem Rad schon irgendwie durchzukommen.

1000 km

Ungefähr 4 km vor Ketrzyn haben wir mitten auf freiem Feld angehalten, um das 1000km-Foto zu schiessen. Bei Ketrzyn sahen wir dann auch den Grund der Sperrung - eine Brücke wurde erneuert und hatte momentan keine Fahrbahn mehr. Die Bauarbeiter liesen uns trotzdem durch, nachdem sie den Berg Gepäck auf unseren Rädern bemerkt hatten und erkannten, dass wir damit den über Treppen führenden Fußweg wohl schwerlich bewältigen konnten.

In Ketrzyn fuhren wir zunächst zum Bahnhof - wir wollten am nächsten Morgen von hier mit dem Zug wieder Richtung Westpolen zurückfahren und dafür die Fahrkarten kaufen. Allerdings war der Schalter geschlossen. Dank meiner noch nicht ganz vergessenen Russisch-Kenntnisse konnte ich die Aushänge zumindest soweit deuten, dass der Schalter jeweils 30 Minuten vor Abfahrt eines Zuges öffnet. Der Nächste Zug sollte erst in einer Stunde fahren. Also sind wir zurück in die Innenstadt geradelt und haben ein Hotel gesucht. Der erste Versuch war ein Misserfolg - der Schuppen war dann doch zu fein und etwas über unseren Preisvorstellungen. Kurze Zeit später fanden wir aber das Hotel "Wanda". Hier war man auf Radfaher eingestellt, ein Zimmer war schnell gebucht und unser Gepäck dort verstaut.

Hier trafen wir dann auch die ersten Radtouristen seit Überschreiten der polnischen Grenze überhaupt. Radfahren scheint in Polen weitgehend nur als notwendiges Übel betrachtet zu werden. Wenn wir überhaupt Radfahrer getroffen haben, dann auf uralten oder zumindest vernachlässigten, klappernden und quietschenden Geräten, oft mit fast platten Reifen und Ketten, die noch nie einen Tropfen Öl gesehen haben. Da war es dann auch kein großes Kunststück, beim Überholen mit mehrfacher Geschwindigkeit nahezu vorbeizufliegen.

Wir sind also zurück zum Bahnhof gestrampelt. Der Schalter hatte tatsächlich geöffnet. Die Bahnangestellte konnte aber nur polnisch. Zum Glück hatte ich vorher den Zugfahrplan auf den Internetseiten der Bahnauskunft zusammengestellt und ausgedruckt. Wir haben für 2 Personen und 2 Räder bis Zielona Gora (fast 600km), D-Zug, 2. Klasse, 138 Zloty gezahlt, was etwa 34 EUR entspricht.

1000 km

Als nächstes sind wir von Ketrzyn zu den Überresten der Wolfsschanze geradelt. Von hier hat Hitler zwischen 1941 und 1944 seinen mörderischen Feldzug Richtung Osten geleitet. Hier versuchte auch Stauffenberg, das Ende der Hitler-Diktatur durch ein Attentat zu beschleunigen, welches bekanntlich leider fehlschlug. Die Bunkeranlagen sind von der Sowjetarmee gesprengt worden, wurden dadurch aber nur beschädigt und nicht zertrümmert. So stehen dort also im Wald riesige moosüberwucherte Betonklötze mit Rissen und verrosteten Stahlarmierungen als Zeugnisse der jüngeren Geschichte herum.

Wir sind dann über Parcz und Mazany Richtung Kamionek Welky geradelt. Dabei hatten wir ein ca. 5 km langes Stück mörderischsten Kopfsteinpflasters zu überwinden. Die Steine waren groß, wie bei altem Katzenkopf-Pflaster, aber scharfkantig, als wären sie erst vor wenigen Jahren verlegt worden. Teilweise sind wir auf die benachbarte Wiese ausgewichen, die war aber Dank Traktorspuren nicht viel besser. Letztlich haben unsere Räder auch diese Materialprüfung überstanden.

Bei Sztynort sind wir dann an den Dobskie-See herangekommen, den wir schon ein großes Stück umrundet hatten. Hier gab es auch einen Yachthafen, Biergärten und eine Liegewiese. Wir liesen uns eine Pizza und zwei Bierchen schmecken. Falk hat dann kurz danach in einem Waldstück die kurze statt der langen Radlerhose angezogen. Seine kurzzeitige Entblösung wurde von den reichlich vorhandenen Mücken schamlos ausgenutzt. Ich wollte schon bedauern, die Badehose im Hotel gelassen zu haben, ein Griff in den See hat aber gereicht und mir ist die Lust am Baden vergangen. Das Wasser war wohl auch nicht viel wärmer, als die Luft am Vortag.

Dobskie-See Angler-Idylle

Die weitere Strecke führte zwischen zwei Seen hindurch. Hier hat man die typische Landschaft der Masuren, viel Wald und Wiesen, klare Seen, keine Industrie, wenige und kleine Orte, Sümpfe und viele Störche und anderes Getier. Alles ist recht ursprünglich, der Tourismus ist zum Glück noch wenig ausgebaut. Wir trafen hier auch viele deutsche Radfahrer, die meisten in organisierten Reisegruppen unterwegs, ohne großes Gepäck.

altes Bauerngut

Gerade für ältere Menschen ist das ja auch eine wunderschöne Art, einen aktiven Urlaub zu verbringen.

Viele Leute sind hier aber auch auf der Suche nach den Spuren ihrer Vergangenheit.

Wir hatten dann aber doch noch einige Kilometer zu bewältigen, also sind wir über Nebenstrecken bis Gizycko, haben dort in einer Ferienanlage noch einen kurzen Bier-Zwischenstopp eingelegt und sind abends auf der jetzt wenig befahrenen Haupststraße 592 mit einem Schnitt von 25 km/h zurück nach Ketrzyn gerast.

Da wir ja unser Quartier schon am Vormittag gebucht hatten, waren wir die ganze Zeit "leichträdrig" ohne Gepäck unterwegs. Deshalb ging für uns dieser Ausflug auch als "Genusstour" in die Reiseannalen ein. Wir sind dann diesmal nicht ins Hotelrestaurant gegangen, sondern ein paar Häuser weiter in eine Pizzeria, die vor allem von vielen jungen Leuten gut besucht war.

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