Navigation

Ich erklär mal grob, wie ich bei größeren Radtouren den Weg finde:

Vorplanung

Ich benutze die Fußgänger-Navigation von Google Maps. Da die Anzahl Stützpunkte (Zwischenziele) begrenzt ist, muss eine große Tour in mehreren Etappen geplant werden. Je nach Wegedichte können die Etappen unterschiedlich lang ausfallen. Im dicht mit Wegen und Straßen durchzogenen Mitteleuropa sind Tagesetappen am sinnvollsten. Die mit der Maus zurechtgezupfte Route speichere ich mir als Link weg, am einfachsten als Lesezeichen.

Meist besorg‘ ich mir auch klassische Papierkarten und vergleiche die geplante Route nochmal damit. Für klassische Mehrtagestouren auf Straßen und guten Wegen eignet sich ein Maßstab von 1:100.000 bis 1:150.000 am besten. Man kommt aber auch mit einem Autoatlas 1:200.000 gut zurecht. 1:300.000 ist schon zu grob, hier findet man u.U. schon in Kleinstädten die richtige Richtung nur mit Mühe. Für Mountainbike-Touren braucht’s Wanderkarten 1:50.000 oder besser.

Mit dem Bookmarklet GMapToGPX erhält man die geplante Route als GPX-Daten. Es ist sinnvoll, dort auf den Knopf „Full“ zu drücken. Die Daten kopier ich mir per Copy and Paste in einen Texteditor und speichere als gpx-Datei.

Diese wandel ich per gpsbabel in eine kml-Datei um. Dazu hab ich mir ein Script gpx2kml geschrieben:


#!/bin/sh
if [ -z "$2" ]; then
ZIEL="`basename $1 .gpx`.kml"
else
ZIEL="$2"
fi
gpsbabel -i gpx -f "$1" -o kml,points=0 -x nuketypes,waypoints -F "$ZIEL"

Wer nicht mit der Befehlszeile hantieren mag, der kann das auch über die Webseite www.gpsvisualizer.com erledigen lassen. Dort kann man den Plan auch nochmal mit Openstreetmap-Karten ansehen. Am besten eignet sich die Cyclemap-Variante, da diese auch Höhenlinien enthält.

Dann benutze ich Google Earth, um die entstandene Route genauer zu begucken. Hier findet man auch am besten raus, ob es brauchbare Alternativen für steile Anstiege o.ä. gibt.

Außerdem nehme ich meist noch tkosm, um mir vorab ein Höhenprofil der Strecke anzusehen. Dazu muss man nur die Datei laden und auf den Knopf „SRTM“ drücken.

Unterwegs

Ich mach‘ das im Moment noch zweigleisig: Papier und Smartphone.

Papier

Ich sorge dafür, dass ich die jeweils aktuelle Karte in der Klarsichthülle auf der Lenkertasche habe. Landkarten kann man meist entsprechend zusammenfalten. Hat die Karte eine steife Papp-Hülle, so reiß‘ ich die einfach ab. Bei Atlanten mit Spiralbindung drösel ich diese auf und nehme nur die tatsächlich benötigten Blätter mit.

Bei fester Bindung funktioniert Abfotografieren und Ausdrucken auf A4 (beidseitig) am besten. Die Fotos werden draußen an einem sonnigen Tag, aber im Schatten, am besten. Blitz geht gar nicht, bei dem geringen Abstand überstrahlt das gnadenlos. Da die Fotos nie richtig gerade werden, muss man noch die Verzerrung korrigieren. Ich benutze dazu das Perspektive-Werkzeug von Gimp.

Die Kartenblätter numerier‘ ich am Rand durch, sonst geht unterwegs viel Zeit mit Suchen und Sortieren drauf.

Smartphone

Ich habe ein nicht mehr ganz taufrisches HTC Magic, auch Google G2 genannt. Die Hauptanwendung unterwegs ist Osmand+. Man kann auch die kostenlose Variante Osmand verwenden, die ist nur in der Anzahl benutzbarer Offline-Karten beschränkt. Das Kartenmaterial kommt vom Projekt Openstreetmap.

Ich lade mir vorab jeweils die geplanten Länder bzw. Bundesländer als Offline-Vektordaten herunter. Dazu sollte das Telefon eine WLAN-Verbindung haben, die Kartendaten sind groß. Außerdem lade ich jeweils noch die SRTM-Dateien, damit ich die Höhenlinien sehe.

Da mein Telefon so lahm ist, dass das Rendern der Karten jeweils viel Geduld erfordert, speichere ich mir noch die fertigen Pixel-Karten entlang der geplanten Route. Dazu lade ich zu Hause die geplante Tour als gpx-Dateien aufs Telefon in das Verzeichnis /sdcard/osmand/tracks. Dann wähle ich in Osmand Darstellung -> GPX-Track und lasse mir die Route anzeigen. Als Kartenquelle stelle ich CycleMap ein.

Dann setze ich nacheinander den Zoomlevel auf 12, 13, 14 und 15 und fahre die GPX-Route so ab, dass alle Kartenabschnitte heruntergeladen und dabei in den Cache gespeichert werden. Diese sind dann auch noch verfügbar, wenn die Internetverbindung unterwegs weg ist.

Gegenden, in denen ich öfter unterwegs bin (Sachsen, Nordböhmen), habe ich mir irgendwann komplett abgespeichert. Dazu geht man erst in einen Übersichts-Zoomlevel und bringt das herunterzuladende Gebiet zur Anzeige. Dann wählt man Menü -> Mehr -> Optionen für Lokation -> Karte herunterladen und stellt den Zoomlevel auf 13…15, je nach gewünschter Detailstufe und verfügbarem Speicherplatz und Bandbreite. Am besten läßt man das mehrmals durchlaufen, beim ersten Durchlauf werden gern einzelne Tiles (Abschnitte) überspungen.

Der Akku meines Telefons hält bei eingeschaltenem GPS nur so 3..4 Stunden durch. Das reicht natürlich nicht, deshalb bleibt der GPS-Empfänger im Telefon bei mir aus. Ich habe sowieso immer einen GPS-Logger mit, einen iBlue i747. Dieser macht nichts weiter, als fortlaufend die Position zu bestimmen, diese per Bluetooth zu versenden und wegzuspeichern. Auf dem Smartphone habe ich eine App „Bluetooth GPS Provider“. Diese empfängt die Positionsdaten per Bluetooth und reicht diese an Android weiter. Da der Bluetooth-Empfänger deutlich weniger Strom braucht als der GPS-Teil, kommt man so den ganzen Tag hin. Damit das ganze funktioniert, muss man in Einstellungen -> Apps -> Entwicklung die Option „Falsche Standorte“ aktivieren.

Der GPS-Logger kommt in die Lenkertasche oder in den Rucksack, das Smartphone in eine Rückentasche das Trikots. Bluetooth, Bluetooth GPS-Provider und Osmand+ bleiben die ganze Zeit an, die Kartenquelle steht auf CycleMap und der GPX-Track wird angezeigt. So genügt ein ganz kurzer Halt und ein Blick aufs Gerät, um sofort in die richtige Richtung weiterfahren zu können. Netterweise zeigt Osmand mit einem hellblauen, halbtransparenten Sektor an, in welche Richtung man das Gerät gerade hält. So hat man auch schnell herausgefunden, welcher Weg in der Landschaft welcher Angabe in der Karte entspricht.

Auf großer Tour habe ich zwei Ladegeräte mit Mini-USB-Anschluss mit, eins fürs Telefon, eins für den GPS-Logger. Außerdem habe ich noch ein kleines Solarmodul mit eingebautem Akku als zusätzliche Energiequelle. Und seit diesem Sommer schlepp‘ ich noch einen Batteriehalter mit, in den man R6-Akkus einlegen kann. Diese lassen sich darin aufladen, aber auch als Energiequelle für externe Geräte benutzen. Gehen die Akkus mal zur Neige, so kann man auch einfach Batterien kaufen.

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